Nach bisherigen Erkenntnissen des Hessischen Ministeriums des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz haben die Warnmöglichkeiten in Hessen - Sirenen und Warn-Apps - insgesamt gut funktioniert. Die hessischen Kommunen verfügen aktuell über mehr als 4.000 Sirenen.
Innenminister Roman Poseck erörterte: „Die ersten Rückmeldungen aus den Landkreisen, kreisfreien Städten und Kommunen sind nach aktuellem Stand positiv. Die Warnungen des sechsten bundesweiten Warntages verliefen in Hessen ohne größere Störungen.
Der Bundesweite Warntag hat einmal mehr gezeigt, wie wichtig es ist, dass die Bevölkerung zu jeder Zeit und an jedem Ort alarmiert werden muss, wenn ein Krisenfall naht oder eintritt. Dabei kommt es auf einen zuverlässigen ‚Weckeffekt‘ an, der auch dann noch Wirkung entfaltet, wenn beispielsweise der Smartphoneakku versagt. Warnsirenen bilden das gut hörbare Fundament der Warnmittel im Land und werden dort relevant, wo digitale Technik im Ernstfall an ihre Grenzen stoßen könnte. Resilienz bedeutet in diesem Zusammenhang, auf verschiedene Szenarien gleichzeitig vorbereitet zu sein.
Sensibilisierung für Krisenfälle
Der Aktionstag hat auch dieses Mal dazu beigetragen, die Bürger für die Warnung von Gefahren und Notlagen zu sensibilisieren. Es zeigt sich auch, dass sich die Investitionen, die wir zur Stärkung der Warninfrastruktur in Hessen in den vergangenen Jahren getätigt haben, lohnen. Gleichwohl sind auch in Zukunft weitere finanzielle Anstrengungen von Bund, Länder und Kommunen nötig, um die Warninfrastruktur stetig und zielgerichtet zu verbessern und auf die aktuellen Bedarfe und technischen Möglichkeiten anzupassen. Nur so schaffen wir es, uns für den Ernstfall gut vorzubereiten.
Neben der Sensibilisierung für Krisenfälle spielt der Warntag auch als technischer Testlauf eine zentrale Rolle für den zuverlässigen Betrieb von Resilienzstrukturen. Wenn es darauf ankommt, müssen alle Warnsysteme funktionstüchtig sein. Lücken und Verbesserungsbedarfe lassen sich bei solchen Aktionstagen systematisch erfassen und vorsorgend beheben. Vorsicht ist besser als Nachsicht. Auch deshalb ist der Warntag für uns ein unerlässlicher und ganz zentraler Termin, an dem wir den Ernstfall proben und strukturell vorbereiten, um im Fall der Fälle gewappnet zu sein.
Ganz im Zeichen der Krisenprävention und Widerstandsfähigkeit steht auch die aktuell vom Innenministerium organisierte ‚Resilienzwoche‘. Seit Montag besuche ich dazu Schulen, Kommunen und Einrichtungen der Kritischen Infrastruktur, um für Resilienz und Selbstschutz zu sensibilisieren. Im Katastrophenfall kommt es ganz erheblich auf gute Vorsorge beim Selbstschutz an. Dazu gehört auch das richtige Anlegen eines persönlichen Notvorrats. Was dafür gebraucht wird, habe ich heute bei einem Einkauf in Kooperation mit dem Handelsverband gezeigt.
Parallel zum Selbstschutz geht es in der Resilienzwoche auch um systematische Prävention auf kommunaler Ebene. Für ihren vorausschauenden Einsatz und sichtbare Bemühungen, sichere Kriseninfrastrukturen auszubauen, habe ich diese Woche die ersten von vielen weiteren Kommunen im neuen Landesprogramm KOMPASS Resilienz begrüßt. Zu den ausgezeichneten Resilienz-Maßnahmen gehört auch der Ausbau der Warninfrastruktur und damit auch der sichere Betrieb von Sirenen als deutliches Wecksignal
Wir wollen die Bevölkerung zum Um- und Mitdenken bewegen, damit jeder einzelne vorbereitet ist, wenn es zur Krise kommt. Der heutige Warntag ist dabei ein wichtiger Baustein in der Resilienzstruktur in Hessen.“
Zur Auswertung
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe wertet nun die Ergebnisse der Bundesländer aus.
Durch die Alarmierung des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) wurde der Warntag pünktlich um 11.00 Uhr mit der direkten Alarmierung von Cell-Broadcast und aller WarnApps eröffnet. Auch die Einbindung von Rundfunk und Fernsehen zur Verteilung der Warninformation fand wie geplant statt.
In Hessen startete die Leitfunkstelle Kassel den Sirenenalarm als zentrale Warnstelle für das gesamte Landesgebiet mit dem Signal „Warnung der Bevölkerung“. Durch die Digitalfunktechnik für die Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) ist es möglich, in ganz Hessen alle Sirenen innerhalb weniger Sekunden auszulösen. Der gleiche Alarm, der die Sirenen in Hessen auslöst, kann auch von allen 65.000 Pagern der Helferinnen und Helfer des Brand- und Katastrophenschutzes empfangen werden. Dies ist einzigartig im ganzen Bundesgebiet.
Ältere noch nicht migrierte analog angesteuerte Sirenen wurden danach von den Zentralen Leitstellen der Landkreise bzw. kreisfreien Städte alarmiert. Dieser Prozess führte zu einer kleinen zeitlichen Verzögerung in der Alarmierung und verdeutlichte, wie wichtig die flächendeckende Umrüstung auf Digitalfunktechnik in Hessen weiterhin ist.
Die Kommunen erhalten für diese Umstellung eine Sachmittelförderung des Landes Hessen in Höhe von mehr als 2,1 Millionen Euro. Ebenso wird durch die Umstellung und Aktualisierung erreicht, dass alle Sirenen die speziellen Warntöne für „Warnung der Bevölkerung“ und „Entwarnung“ aussenden können.
Die Kurzmeldungen der 21 hessischen Landkreise und 6 Kreisfreien Städte, die bis 12.00 Uhr das Hessische Innenministerium erreicht hatten, bestätigen, dass, mit Ausnahme lokaler Probleme, die flächige Auslösung der Warnmittel des Warnmittelmixes, das sind im Wesentlichen Cell-Broadcast, Warn-Apps, Rundfunk und Fernsehen, digitale Informationtafeln und nicht zuletzt auch Sirenen, funktioniert hat. Teilweise wurde eine Verzögerung der Zustellung der Warnung über die Warn-Apps festgestellt. Im Bereich Gersfeld/Röhn kam es aufgrund einer Telekom-Störung zu Problemen bei der Warnung.
Erstmals bei einem bundesweiten Warntag wurde um 11:45 Uhr auch über Cell-Broadcast entwarnt, dies war beim letzten bundesweiten Warntag technisch noch nicht möglich gewesen.
Zum bundesweiten Warntag
Eine Warnung der Bevölkerung kann sowohl bei einer Bedrohung der Bundesrepublik von außen („Zivilschutzfall“), bei Großschadenslagen („Katastrophenfall“), im täglichen Einsatzgeschehen der Feuerwehr („tägliche Gefahrenabwehr“) und auch bei polizeilichen Ereignissen (z.B. Terrorlage) erforderlich sein.
Der bundesweite Warntag findet regulär immer am zweiten Donnerstag im September statt und beginnt um 11:00 Uhr mit der bundesweiten Warnung, sowohl über Cell-Broadcast, WarnApps als auch über die sich beteiligenden Rundfunkanstalten. Die landesspezifische Warn-App hessenWARN wird zum Ende des Jahres eingestellt und durch die bundesweite Warn-App NINAÖffnet sich in einem neuen Fenster ersetzt. Dieser Schritt schafft zum einen mehr Übersichtlichkeit, zum anderen übernimmt NINA inzwischen alle Funktionen, die auch in der hessenWARN-App verfügbar sind. Sofern in den Kommunen auslösbare Sirenen für die Warnung zur Verfügung stehen, erfolgt dabei auch ein Probealarm mit dem Sirenensignal „Warnung der Bevölkerung“.